Liao Yiwu „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“

In China ist jeder psychisch krank, behauptet Liao Yiwu. Dabei hat das kommunistische Land doch nur das Wohl der Menschen im Sinn, behauptet die Staatsmacht – und erklärt den chinesischen Autor zum Feind. Liao Yiwu selbst weiß, was es heißt, geknechtet und gefoltert zu werden. Er weiß, wie es ist, zu den Ausgestoßenen zu gehören – ihnen hat er ein ganzes Buch gewidmet. In „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“ lässt er sie alle zu Wort kommen.

Ein Musiker, der wegen Verschwörung in ein Umerziehungslager kommt, eine Falun-Gong-Anhängerin, die sich selbst durch Folter nicht unterkriegen lässt, ein Geschäftsmann, der im Gefängnis landet, da er öffentlich seine Meinung kundtut. Eben Individuen, die verdeutlichen: China schafft es nicht, den einzelnen bis ins Detail zu kontrollieren. Das sog. „Volk“ ist keine mono-denkende Masse, sondern voller eigenwilliger Personen.

Ihre Erzählungen sind immer überschattet von der Übermacht des autoritären Systems. Alle erzählen von Folter, Hunger, Polizeigewalt und der ständigen Angst, sich nicht frei äußern zu dürfen, jederzeit verdächtigt zu werden und in die Fänge der Staatsmacht zu gelangen. 300 solcher Interviews hat Liao Yiwu geführt, 29 davon wurden gedruckt. Der Autor bleibt dabei im Hintergrund – lässt die Protagonisten einfach reden, mischt sich nicht ein, bleibt unparteiisch. Er habe mit seinen Interviews die Würde der Menschen Chinas verletzt – so der Vorwurf der Regierung. Liao Yiwu habe ihnen damit alle Ehre erwiesen – so die Meinung des Nobelpreis-Komitees.

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